10. August 2012 Gerichtstermin

Oberstaatsanwalt Dirk Lemme ist für Drogendelikte zuständig und hat schon viele ungewöhnliche Akten bearbeitet. Aber dieser Fall beeindruckte auch den erfahrenen Juristen: Ein 39 Jahre alter Mann war im Februar auf dem Leipziger Bahnhof erwischt worden - mit rund dreieinhalb Kilogramm Heroin. "Drogen mit einem Marktwert von mindestens 1,8 Millionen Euro - über eine solche Menge habe ich noch keine Gerichtsverhandlung geführt", sagte Lemme beim Prozessauftakt gegen den Drogenkurier am Landgericht in Halle. Die Drogen sollen laut Staatsanwaltschaft für einen Großdealer in der Stadt Halle bestimmt gewesen sein.
Und dabei ist der Angeklagte, der am Mittwoch zu den Vorwürfen schwieg, nur ein Rädchen eines nigerianischen Drogen-Netzwerkes, das in Halle und Weißenfels aktiv war: Im Februar schlugen Drogenfahnder der Polizeidirektion Halle und der Zollfahndung mehrfach in Halle und Weißenfels zu. Die Ermittlungsgruppe "Afrika" hatte die Dealer zuvor unter anderem durch Telefonüberwachung aufgespürt. In Halle und Weißenfels hatten die Nigerianer den Kokain- und Heroinhandel fest im Griff. Ein Dutzend Verhaftungen waren die Folge - jetzt starten die Prozesse.
Drogen beim Familienausflug
Bereits am Morgen hatten sich die Richter mit einem 35-jährigen Nigerianer und seiner 34-jährigen Ehefrau aus Braunsbedra und Halle sowie einem 32-jährigen Landsmann aus Weißenfels beschäftigt: Laut Anklage sollen sie eine Kurierfahrt unternommen haben, auf der sie rund 500 Gramm Heroin von Amsterdam nach Halle schmuggeln wollten. Um das illegale Geschäft zu tarnen, packten das Ehepaar ihre beiden Kleinkinder ins Auto - so sollte das Ganze wie ein Familienausflug aussehen. Am Parkplatz "Plötzetal" an der A 14 ließ die Polizei die Kuriere auffliegen. Ob die drei Angeklagten eine Aussage machen werden, blieb am ersten Prozesstag offen.
Am Freitag und am Montag eröffnet das Landgericht zudem zwei weitere Prozesse gegen die mutmaßlichen Drahtzieher des Netzwerkes: Michael A. und Pascal M. Ihnen wird ebenfalls Drogeneinfuhr im großen Stil und unerlaubter Handel mit Rauschgift vorgeworfen.
Ermittlungsgruppe aufgelöst
Polizei und Staatsanwaltschaft sehen die Arbeit der Ermittlungsgruppe "Afrika" als Erfolg an. "Wir haben einen Teil der Struktur zerschlagen", so Ulrike Diener von der Polizeidirektion Halle. Die Ermittlungsgruppe sei mittlerweile aufgelöst, Drogendelikte würden weiter in den Revieren bearbeitet. Heute würden nicht mehr Nigerianer das Drogengeschäft bestimmen, sagt auch Oberstaatsanwalt Andreas Schieweck: "Wir ermitteln zurzeit auch gegen Deutsche." Und für den Süden Sachsen-Anhalts stellt der Pressesprecher der Naumburger Staatsanwaltschaft, Hans-Jürgen Neufang, klar: "Der Handel in Weißenfels, der früher Schwerpunkt war, ist massiv zurückgegangen." Die Szene habe inzwischen ihr Augenmerk aber nach Zeitz verlegt.
Quelle: http://www.mz-web.de/servlet/ContentServ...Id=987490165154